Ein Kapitel unserer Geschichte

Forsch­ung im Lichter­Schatten Therapie­zentrum

2022 bis 2025 prägte unsere ambu­lante Forsch­ungs­arbeit unsere Ge­schichte bedeut­sam mit. In dieser Zeit konnten wir je ein großes Forsch­ungs­projekt in der Physio­therapie und Logo­pädie um­setzen und wert­volle Erkennt­nisse für die thera­peut­ische Versorg­ung gewinnen. Heute forschen wir nicht mehr aktiv, bleiben der evidenz­basierten Praxis jedoch eng verbun­den. Diese Seite gibt einen Über­blick über unsere bis­herige Forsch­ungs­arbeit und würdigt die Projekte, Menschen und Ideen, die diese Phase geprägt haben.

Warum uns Forschung allgemein wichtig ist
Unser Ziel ist es, dass unsere Patient­Innen durch unsere Unter­stütz­ung so schnell wie mög­lich wieder gesund und fit werden und nicht mehr auf uns ange­wiesen sind. Hier setzte auch die ambu­lante Forsch­ung in der Phy­sio­thera­pie und Logo­pädie an und suchte Ant­worten auf die Frage: Welche Behand­lungs­metho­den führen mög­lichst schnell und nach­haltig zu einer Ver­besse­rung?
Sie hatte das Ziel, Thera­pie­an­sätze auf Effi­zienz, Effek­tivität und Sinn­haftig­keit zu über­prüfen und zu opti­mie­ren. Vor diesem Hinter­grund ver­suchen wir auch weiter­hin unsere Arbeit im Sinne der klin­ischen Expertise (EBP) konti­nuier­lich zu hin­ter­fragen.
Wie wir bei LichterSchatten zur Forschungsarbeit kamen

Zwischen 2020 und 2025 wurde unsere Forsch­ungs­arbeit maß­geb­lich von unseren ehe­mal­igen wissen­schaft­lichen Mit­ar­beit­er­In­nen Hlynur A. Elsuson (M.Sc., Physio­thera­peut) und Maike Hawig­horst (Logo­pädin M.Sc.) gestaltet. Wir sind dank­bar für ihre Exper­tise, ihr Enga­ge­ment und die erfolg­reiche gemein­same Zeit. Dieser gemein­same Weg und alles was wir darauf von und mit­ein­ander lernen durften, hat uns nach­haltig geprägt.

Der Grund­­stein für unsere ambu­­lante For­sch­ung wurde bereits ab 2013 gelegt: Dort lernten sich unser In­­haber Alex­­ander Hahn und Hlynur A. Elsuson im Ba­che­lor-Stu­dium für Physio­­thera­pie (B.Sc.) an der IB-Hoch­schule Berlin kennen. Ge­mein­­sam vertief­­ten sie ab 2017 ihre wissen­schaft­liche Exper­tise im Rah­men eines Master­stu­dien­gangs in den Gesund­heits- und Pflege­wissen­schaf­ten (M.Sc.) an der Martin-Luther-Uni­versi­tät Halle-Wit­ten­berg. Durch ihren aka­dem­ischen Wer­de­gang konn­ten sie be­reits früh ein Netz­werk in der Ge­sund­heits­forsch­ung auf­bauen, welches 2020 den An­stoß für unser ers­tes For­schungs­projekt „DigiVid-19“ergab.

Von August 2023 bis Dezem­ber 2025 prägte dann Maike Hawig­horst als Logo­pädin maß­geb­lich unsere Forsch­ungs­arbeit mit. Maike brachte eine wert­volle Expertise und brenn­en­des Inte­resse am Gestalten von inno­vativen Lös­ungen für schluck­thera­peut­ische Behand­lun­gen mit. Das Forsch­ungs­pro­jekt “Dys-phappgy“ wurde von Maike ini­tiiert und gemein­sam mit Hlynur erfolg­reich ab­ge­schlos­sen.

Unsere Forschungsprojekte (Archiv)

01/2022 – 12/2023

DigiVID19 (Physiotherapie)

Physiotherapeut führt Anamnese durch

© Prostock-studio – Shutterstock

Das Projekt hatte das Ziel eine VR‑Anwen­dung zur Atem­therapie und Stress­reduk­tion zu ent­wickeln, ins­beson­dere für Patient­Innen nach COVID‑19. Es führte zu einem funk­tionalen Proto­typ, der in einer Studie erfolg­reich getestet wurde und lieferte wertv­olle Im­pulse für digitale Atem­therapie‑Konzepte.

08/2023 – 12/2025

Dys‑phappgy (Logopädie)

Physiotherapeut führt Anamnese durch

© pixelshot – canva

Dys‑phappgy entwickelte eine digitale Lös­ung zur Ver­bess­erung der logo­päd­ischen Versorg­ung von Men­schen mit Schluck­stör­ungen (Dys­phagie) – be­son­ders in länd­lichen Regionen. Die digi­tale Lös­ung, soll sowohl Patient­­Innen, als auch Thera­­peut­Innen bei der logo­päd­ischen Behand­lung unter­stützt.

07/2025 – 12/2025

Nähe & Distanz (Hausbesuch)

Physiotherapeut führt Anamnese durch

© halfpoint – canva

Das Projekt untersuchte, wie Physio­thera­peut­Innen Nähe und Distanz bei Haus­besuchen pro­fess­ionell gestalten und wie diese Kompe­tenz mit ihrem subjektiv erlebten Belast­ungs­niveau zu­sam­men­hängt. Ziel war es, psycho­soziale Faktoren besser zu ver­stehen und Em­pfehl­ungen für Bildung und Gesundheit abzuleiten.

Hintergrund

Warum Forschung in der ambulanten Praxis?

In der ambulanten Praxis zu for­schen ist weit­aus mehr als Fach­bücher zu wälzen und im stillen Kämmer­lein wissen­schaft­liche Bei­träge zu schreiben: Die Forsch­ung in der Praxis findet am und mit Patient­Innen statt. Dem­ent­sprech­end inter­aktiv und dyna­misch ist die wissen­schaft­liche Arbeit in diesem Bereich. Daher ist die Forsch­ung im ambu­lanten Setting beson­ders inte­res­sant.

Natür­lich geht es auch darum heraus­zu­fin­den, ob und warum bestim­mte Behand­lun­gen wirk­sam sind und bei welchen Symptomen und Störungsbildern sie beson­ders gut wirken. Da­rüber hinaus bietet die For­schung jedoch auch die Mög­lich­keit, die Therapieberufe als Disziplin stetig weiter­zu­ent­wick­eln, neue Zu­sam­men­­hänge zwi­schen Behand­lung und Erfolg zu ent­­decken, neue Be­hand­­lungen zu ent­wickeln und neue inno­vative Lös­ungen, um den thera­peut­ischen All­tag zu ver­bessern, zu erfor­schen. Und das gemein­­sam mit den Patient­­Innen.

Forsch­ung in der ambulanten Praxis dient also dazu, Behand­lungs­pro­zesse zu opti­mieren, unwirk­same Behand­lungs­metho­den aus­zu­schlie­ßen, sowie der Sicher­stellung der best­mög­lichen Be­hand­lung. Dem­ent­sprech­end nimmt die For­der­ung, wissen­schaft­lich zu arbei­ten, in den den Thera­pie­be­rufen in Deutsch­land, sowie in an­deren Gesund­heits­fach­be­rufen immer weiter zu (vgl. 1). Neben den Erkennt­nissen für die Be­hand­lun­gen dient die For­schung in den Therapieberufen aber auch der Weiter­ent­wick­lung und Mit­ge­stal­tung der Gesund­heits­politik und der Gesund­heits­ver­sorg­ung – beson­ders mit Hin­blick auf den demo­graf­ischen Wan­del. Insge­samt kann da­durch ein posi­tiver Ein­fluss auf die Gesund­heit der Gesell­schaft und der ein­zelnen Men­schen bewirkt werden.

Wichtigkeit der ambulanten Forschung

Bis dato findet die meiste thera­peut­ische For­schung in Reha-Ein­richt­ungen und Kli­niken statt. Somit bezie­hen sich die Unter­such­ungen stärker auf die Behand­lung in frühen Stadien (z.B. un­mittel­bar nach einer Opera­tion oder akuter Ereig­nisse, wie dem Ein­setzen eines neuen Gelenks oder einem Schlag­anfall) an­statt auf das all­täg­liche Leben und die damit verbun­denen Be­schwer­den, die in einer ambu­lanten Praxis behan­delt werden.

Da viele Be­hand­lungs­metho­den jedoch nur ambu­lant auf ihre Wirk­sam­keit über­prüft werden können, ist die Forsch­ung in den dem­ent­sprech­enden Therapie­praxen sehr wichtig. Bundes­weit gibt es aktuell kaum ambu­lante Praxen, die thera­peutisch forschen – folg­lich gibt es in die­sem Be­reich noch viel zu tun. Darü­ber hinaus ist eine wei­tere Aka­demi­sier­ung des Berufs­zwei­ges uner­läss­lich, für dessen Weiter­ent­wick­lung und fort­schrei­tende Profess­iona­lisie­rung (vgl. 2).

Uns juckt es in den Fin­gern, in den näch­sten Jahren konti­nuier­lich einen wissen­schaft­lichen Beitrag leisten zu können. Wir sind sehr stolz auf unsere bis­her­igen Erfolge und die Mög­lich­keiten, die sich da­durch bieten.

Was wurde bisher in der therapeutischen Forschung erreicht?

Die Forsch­­ung in den Gesund­heits­therapie­berufen ist eine welt­­weit sehr junge Diszi­­plin. Dem­­ent­­sprech­­end hoch ist das Poten­­zial dieses Zweigs: Es gilt her­­aus­­zu­­fin­den, wie und warum die bereits bekann­ten ­thera­­peut­ischen Be­hand­­lun­gen und Maß­­nah­men funk­ti­onieren und wirken und sie weiter­­zu­­ent­­wick­eln. Darüber hinaus ver­­spricht die For­sch­ung auch die Präsenz der Thera­pie­berufe als evi­denz­­ba­sierte Diszi­­plin weiter zu steigern.

Während die persön­­liche Bezieh­­ung zwischen PatientIn und Thera­­peutIn die Behand­­lung für beide Seiten beson­ders inte­­ressant und ange­­nehm machen kann, ist sie gleich­zeitig auch die größte Her­aus­for­derung für die For­schung: Psycho­logische Komp­o­nenten wie Sym­pathie können Studien­ergeb­nisse zur Unter­such­ung von Wirk­sam­keit und Sinn­haftig­keit der Behand­lungen verfälschen (vgl. 3).

Dem­ent­sprech­end spann­end ist die Forsch­ung in diesem Bereich: Es geht nicht bloß um den Körper als Beweg­ungs­apparat (Phy­siotherapie) und den Mund als Arikulator (Logopädie), sondern auch um Men­schen als soziale Wesen und wie sie sich beein­flussen.

Unsere Vision in der Forschungs-Phase

Während unserer Forsch­ungs­phase wollten wir die Aka­demi­sier­ung thera­peut­ischer Berufe stärken und ein Bei­spiel dafür sein, wie Forsch­ung auch im ambu­lanten Sett­ing mög­lich ist. Wir planten, weitere Projekte aufzu­bauen, Koope­ra­tionen mit Hoch­schu­len zu inten­sivieren und akade­mische Wer­de­gänge im Team zu fördern. Diese Vision prägte unser Ver­ständ­nis von Qua­lität, Inno­vation und Weiter­ent­wicklung in dieser Zeit.

Was bringt Forschung im Behandlungsalltag?

Therapie von Gesund­heits­be­rufen setzt sich aus drei Berei­­chen zu­sam­men: Dem Wissen und Erfahr­­ungen des/der Thera­peutIn, wissen­­schaft­­lichen Bele­gen und den Erwart­­ungen der Pa­tient­­Innen.

Dieses 3-Säulen-Konzept nennt man „Evi­denz­­ba­sier­te Praxis“ (EBP). Im Lichter­­Schatten – Thera­­pie­­zen­­trum prägt dieses Kon­zept unsere alltäg­liche Arbeit und stellt darü­ber hin­aus auch die Basis für unseren Quali­täts­an­spruch an die Be­hand­lungen dar: Es geht also darum, die Behand­lung von eigenen Erfahr­ungen, den Patient­Innen-Erwart­ungen oder einer bestim­mten Studie zu prägen, son­dern alle drei Säulen in den Ein­klang mit­ein­ander zu bringen, sodass sich aus Ihnen eine solide und nach­haltige Behand­lung ent­wickeln kann.

Die evi­denz­basierte Praxis bleibt auch heute ein zentraler Bestand­teil unserer thera­peut­ischen Arbeit.

Evidenzbasierte Praxis (EBP) - genauer erklärt

Das Konzept der soge­nannten Evi­dence-based Practice (EBP) – zu Deutsch: evid­enz­basierte Praxis – hat sich aus der Medizin (Evi­dence-based Medizin – EBM) ent­wickelt. Er wurde in den 90er Jahren defi­niert als: Inte­gration indivi­dueller klin­ischer Exper­tise mit der besten verfüg­baren exter­nen klin­ischen Evidenz aus system­atischer Forsch­ung (vgl. 5). Die EBP setzt sich dabei aus drei Säu­len zusam­men:

  1. Die klin­ische Exper­tise der Thera­peut­Innen
    Sie um­fasst das Wissen und die Erfah­rung der Thera­peut­Innen, über die jede Fach­kraft verfügt, egal ob Aka­demi­kerIn oder nicht. Dabei ist es nicht relevant, ob es dafür einen wissenschaftlichen Nachweis gibt.
  2. Wissen­schaft­liche Belege aus Studien
    Diese werden aus der syste­mat­ischen For­schung und den besten verfüg­baren Ergeb­nissen und Berich­ten aus Studien zusam­men­ge­stellt und in die Behand­lung einge­bracht.
  3. Hoff­nungen und Erwart­ungen der Patient­Innen
    Auch die sub­jek­tive Pers­pek­tive der Patient­Innen wird in der evi­denz­basier­ten Praxis berück­sichtigt: Mein­ungen und Erwart­ungen werden durch das Gespräch mit den Thera­peut­Innen in die Behand­lung einge­bracht.

(vgl. 6, 7)

Physiotherapeut führt Anamnese durch

© Lopolo – Shutterstock

Quellenangaben
  1. Wissenschaftsrat (2012): Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen. Unter: http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2411-12.pdf. Zugriff am: 09.03.2017
  2. Richter, R. (2016). Physiotherapie und Wissenschaft. Die wissenschaftliche Emanzipation der Physiotherapie im Spannungsfeld von Disziplinbildung und Professionalisierung. Publikationsserver der Universität Potsdam unter: URN urn:nbn:de:kobv:517-opus4-94704. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:517-opus4-94704
  3. O´Keeffe, M.; Cullinane, P.; Hurley, J.; Leahy, I.; Bunzli, S.; O´Sullivan, P.B.; O´Sullivan, K. (2016). What Influences Patient-Therapist Interactions in Musculoskeletal Physical Therapy? Qualitative Systematic Review and Meta-Synthesis. Phys Ther. 2016;96: 609-622. https://doi.org/10.2522/ptj.20150240
  4. Groll, Tina; Lutz, Carmen; Kunstreich, Siebo; Speicher, Stefanie; Zalpour, Christoff (2005): Physiotherapie: Auf dem Weg zur Professionalisierung, in Dtsch Arztebl 2005; 102: A 966–968 [Heft 14], abrufbar unter: https://www.aerzteblatt.de/archiv/46184/Physiotherapie-Auf-dem-Weg-zur-Professionalisierung, zuletzt geprüft am 24.08.2022
  5. Sackett, D.L.; Rosenberg, W.M.C.; Gray, J.A.M.; Haynes, R.B.; Richardson, W.S. (1996): Evidence based medicine: what it is and what it isn ́t. In: BMJ 1996; S. 71
  6. Beushausen, U.; Grötzbach, H. (2011): Evidenzbasierte Sprachtherapie, Grundlagen und Praxis. 1. Auflage. Elsevier GmbH. München. S. 5f
  7. Behrens, J.; Langer, G. (2010): Evidence-based Nursing and Caring, Methoden und Ethik der Pflegepraxis und Versorgungsforschung. 3. Auflage. Verlag Hans Huber. Bern. S. 77