Forschung im LichterSchatten – Therapiezentrum

Unser Ziel ist es, dass unsere Patient­Innen durch unsere Unter­stüt­zung so schnell wie mög­lich wieder gesund und fit wer­den und nicht mehr auf uns ange­wiesen sind. Das heißt: So sym­pathisch sie uns auch sind, es freut uns sie nicht mehr wieder­zu­sehen. Denn das heißt, es geht Ihnen gut und wir haben einen guten Job ge­macht. (An­ders sieht das natür­lich bei chro­nischen Erkrank­ungen, der Wieder­kehr mit anderen Beschwer­den, oder prä­ven­tiven Maß­nahmen aus.)

Hier setzt auch die ambu­lante For­schung in der Physio­therapie an und sucht Ant­worten auf die Frage: Was sind die besten Behand­lungs­me­tho­den, um mög­lichst schnell und nach­haltig eine Heil­ung her­bei­zu­führen? Sie hat das Ziel die Behandl­ungs­me­tho­den und Maß­nah­men auf ihre Effi­zienz, Effek­tivität und Sinn­haftig­keit zu über­prüfen und zu opti­mieren. Vor diesem Hin­ter­grund hin­ter­fragen wir unsere Arbeit auch im Sinne der klin­ischen Exper­tise (EBP) konti­nuier­lich.

Warum Forschung in der Physiotherapie?

In der Physio­the­ra­pie zu for­schen ist weit­aus mehr als Fach­bücher zu wälzen und im stillen Kämmer­lein wissen­schaft­liche Bei­träge zu schreiben: Die Forsch­ung in der Physio­thera­pie findet am und mit Patient­Innen statt. Dem­ent­sprech­end inter­aktiv und dyna­misch ist die wissen­schaft­liche Arbeit in diesem Bereich. Daher ist die Forsch­ung im ambu­lanten Bereit beson­ders inte­res­sant.

Natür­lich geht es auch darum heraus­zu­fin­den, ob und warum bestim­mte Behand­lun­gen wirk­sam sind und bei welchen Be­schwer­den sie beson­ders gut wirken. Da­rüber hinaus bietet die For­schung jedoch auch die Mög­lich­keit, die Physio­thera­pie als Disziplin stetig weiter­zu­ent­wick­eln, neue Zu­sam­men­hänge zu ent­decken und neue Be­hand­lungen zu ent­wickeln. Und das gemein­sam mit den Patient­Innen.

Physiotherapeut führt Anamnese durch

Physio­thera­peut­ische Forsch­ung dient also dazu, Behand­lungs­pro­zesse zu opti­mieren, unwirk­same Behand­lungs­metho­den aus­zu­schlie­ßen, sowie der Sicher­stellung der best­mög­lichen Be­hand­lung. Dem­ent­sprech­end nimmt die For­der­ung, wissen­schaft­lich zu arbei­ten, in der Physio­thera­pie in Deutsch­land, sowie in an­deren Gesund­heits­fach­be­rufen immer weiter zu (vgl. 1). Neben den Erkennt­nissen für die Be­hand­lun­gen dient die For­schung in der Physio­thera­pie aber auch der Weiter­ent­wick­lung und Mit­ge­stal­tung der Gesund­heits­politik und der Gesund­heits­ver­sorg­ung – beson­ders mit Hin­blick auf den demo­graf­ischen Wan­del. Insge­samt kann da­durch ein posi­tiver Ein­fluss auf die Gesund­heit der Gesell­schaft und der ein­zelnen Men­schen bewirkt werden.

Wichtigkeit der ambulanten Forschung

Bis dato findet die meiste thera­peut­ische For­schung in Reha-Ein­richt­ungen und Kli­niken statt. Somit bezie­hen sich die Unter­such­ungen stärker auf die Behand­lung in frühen Stadien (z.B. un­mittel­bar nach einer Opera­tion oder akuter Ereig­nisse, wie dem Ein­setzen eines neuen Gelenks oder einem Schlag­anfall) an­statt auf das all­täg­liche Leben und die damit verbun­denen Be­schwer­den, die in einer ambu­lanten Praxis behan­delt werden.

Da viele Be­hand­lungs­metho­den jedoch nur ambu­lant auf ihre Wirk­sam­keit über­prüft werden können, ist die Forsch­ung in den dem­ent­sprech­enden Therapie­praxen sehr wichtig. Bundes­weit gibt es aktuell kaum ambu­lante Praxen, die thera­peutisch forschen – folg­lich gibt es in die­sem Be­reich noch viel zu tun. Darü­ber hinaus ist eine wei­tere Aka­demi­sier­ung des Berufs­zwei­ges uner­läss­lich, für dessen Weiter­ent­wick­lung und fort­schrei­tende Profess­iona­lisie­rung (vgl. 2).

Uns juckt es in den Fin­gern, in den näch­sten Jahren konti­nuier­lich einen wissen­schaft­lichen Beitrag leisten zu können. Wir sind sehr stolz auf unsere bis­her­igen Erfolge und die Mög­lich­keiten, die sich da­durch bieten.

Was wurde bisher in der Physiotherapie-Forschung erreicht?

Die Forsch­ung in der Physio­thera­pie ist eine welt­weit sehr junge Diszi­plin. Dem­ent­sprech­end hoch ist das Poten­zial dieses Zweigs: Es gilt her­aus­zu­fin­den, wie und warum die bereits bekannten physio­thera­peut­ischen Behand­lungen und Maß­nah­men funk­tionieren und wirken und sie weiter­zu­ent­wickeln. Darüber hinaus ver­spricht die For­schung auch die Präsenz der Physio­thera­pie als evidenz­ba­sierte Diszi­plin weiter zu steigern.

Während die persön­liche Bezieh­ung zwischen PatientIn und Physio­thera­peutIn die Behand­lung für beide Seiten beson­ders inte­ressant und ange­nehm machen kann, ist sie gleich­zeitig auch die größte Her­aus­for­derung für die For­schung: Psycho­logische Kompo­nenten wie Sym­pathie können Studien­ergeb­nisse zur Unter­such­ung von Wirk­sam­keit und Sinn­haftig­keit der Behand­lungen verfälschen (vgl. 3).

Dem­ent­sprech­end spann­end ist die Forsch­ung in diesem Bereich: Es geht nicht bloß um den Körper als Beweg­ungs­apparat, sondern auch um Men­schen als soziale Wesen und wie sie sich beein­flussen.

Unsere Vision: Mehr Akademisierung und forschende Praxen!

Aktuell sind wir unseres Wissens nach die einzige ambu­lante Physio­therapie­praxis im Raum Berlin, die mit eigenen wissen­schaft­lichen Mit­arbei­ter­Innen und in Koope­ration mit uni­ver­sitä­ren Part­nern forsch­end tätig ist. Darauf sind wir stolz, wün­schen uns aber, dass das mög­lichst schnell kein Allein­stellungs­merk­mal mehr ist und immer mehr ambu­lante Praxen in der Forsch­ung tätig werden.

Damit diese Vision Wirk­lich­keit werden kann, ist vor allem eines wichtig: Eine weitere und inten­sive Aka­demi­sierung der Therapie­berufe. Im inter­nat­ionalen Ver­gleich hinkt Deutsch­land in dieser Hin­sicht noch sehr hinter­her: Länder wie Schweden oder die Nieder­lande zeigen, wie es geht (vgl. 4) und inspi­rieren uns, diese Ent­wicklung mit­zu­prägen.

Was tun wir konkret dafür?

  • Wir gehen mit gutem Bei­spiel voran und stellen aka­demi­sierte Thera­peut­Innen ein und bauen Forsch­ungs­pro­jekte auf.
  • Wir bauen Koope­rationen mit Hoch­schulen aus, die ent­sprech­ende Studien­gänge anbieten.
  • Wir ermutigen Thera­peut­Innen zu einem aka­dem­ischen Werde­gang.
  • Wir bauen für akade­misierte Thera­peut­Innen Struk­turen und Pro­zesse auf, in denen sie mög­lichst unkom­pliziert wissen­schaft­lich tätig werden können: Unter der künf­tigen Leit­ung von Hlynur A. Elsuson planen wir ein Forsch­ungs-Team in unserem Therapie­zentrum aufzu­bauen.
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Was bringt Forschung im Behandlungsalltag?

Physiotherapeut mit Patientin auf Behandlungsliege

Physio­thera­pie setzt sich aus drei Berei­chen zu­sam­men: Dem Wissen und Erfahr­ungen des/der Thera­peutIn, wissen­schaft­lichen Bele­gen und den Erwart­ungen der Pa­tient­Innen.

Dieses 3-Säulen-Konzept nennt man „Evidenz­ba­sier­te Praxis“ (EBP). Im Lichter­Schatten – Thera­pie­zen­trum prägt dieses Kon­zept unsere alltäg­liche Arbeit und stellt darü­ber hin­aus auch die Basis für unseren Quali­täts­an­spruch an die Be­hand­lungen dar: Es geht also darum, die Behand­lung von eigenen Erfahr­ungen, den Patient­Innen-Erwart­ungen oder einer bestim­mten Studie zu prägen, son­dern alle drei Säulen in den Ein­klang mit­ein­ander zu bringen, sodass sich aus Ihnen eine solide und nach­haltige Behand­lung ent­wickeln kann.

Evidenzbasierte Praxis (EBP) - genauer erklärt

Das Konzept der soge­nannten Evi­dence-based Practice (EBP) – zu Deutsch: evid­enz­basierte Praxis – hat sich aus der Medizin (Evi­dence-based Medizin – EBM) ent­wickelt. Er wurde in den 90er Jahren defi­niert als: Inte­gration indivi­dueller klin­ischer Exper­tise mit der besten verfüg­baren exter­nen klin­ischen Evidenz aus system­atischer Forsch­ung (vgl. 5). Die EBP setzt sich dabei aus drei Säu­len zusam­men:

  1. Die klin­ische Exper­tise der Thera­peut­Innen
    Sie um­fasst das Wissen und die Erfah­rung der Thera­peut­Innen, über die jede Fach­kraft verfügt, egal ob Aka­demi­kerIn oder nicht. Dabei ist es nicht relevant, ob es dafür einen wissenschaftlichen Nachweis gibt.
  2. Wissen­schaft­liche Belege aus Studien
    Diese werden aus der syste­mat­ischen For­schung und den besten verfüg­baren Ergeb­nissen und Berich­ten aus Studien zusam­men­ge­stellt und in die Behand­lung einge­bracht.
  3. Hoff­nungen und Erwart­ungen der Patient­Innen
    Auch die sub­jek­tive Pers­pek­tive der Patient­Innen wird in der evi­denz­basier­ten Praxis berück­sichtigt: Mein­ungen und Erwart­ungen werden durch das Gespräch mit den Thera­peut­Innen in die Behand­lung einge­bracht.

(vgl. 6, 7)

Wie kommen wir bei LichterSchatten dazu zu forschen?

Der Grund­stein für unsere ambu­lante For­schung wurde bereits ab 2013 gelegt: Dort lernten sich unser In­haber Alex­ander Hahn und unser wis­sen­schaft­licher Mit­arbei­ter Hlynur A. Elsuson im Ba­che­lor-Stu­dium für Physio­thera­pie (B.Sc.) an der IB-Hochschule Berlin kennen. Ge­mein­sam vertief­ten sie ab 2017 ihre wissen­schaft­liche Exper­tise im Rah­men eines Master­stu­dien­gangs in den Gesund­heits- und Pflege­wissen­schaf­ten (M.Sc.) an einer der renom­mier­testen Uni­versi­täten Deutsch­lands, der Martin-Luther-Uni­versi­tät Halle-Wit­ten­berg. Durch ihren aka­dem­ischen Wer­de­gang konn­ten sie be­reits früh ein nen­nens­wertes Netz­werk in der Ge­sund­heits­forsch­ung auf­bauen, welches 2020 den An­stoß für unser ers­tes For­schungs­projekt „DigiVid-19“ergab.

Aus dem aka­dem­ischen Werde­gang unse­rer bei­den Ge­schäfts­füh­rer wiederum ergibt sich somit eine opti­male Misch­ung aus BWL-KnowHow (Katha­rina Hahn) und Exper­tise für das Gesund­heits­system (Alex­ander Hahn). Geprägt davon ent­stand von An­fang an ein sehr hoher Quali­täts­an­spruch im Lich­ter­Schat­ten – The­ra­pie­zen­trum: Somit arbei­ten wir stets evi­denz­ba­siert und nach neu­sten wissen­schaft­lichen Er­kennt­nissen und legen unter ande­rem großen Wert auf eine peni­ble und profess­ionelle Behand­lungs­doku­men­tation. Darüber hinaus opti­mieren wir konti­nuier­lich verschie­dene ope­ra­tive und betriebs­wirt­schaft­liche Pro­zesse, um unsere Ar­beit stetig zu ver­bess­ern.
Bisher gehören zu unserem Team auch meh­rere aka­demi­sierte/ promo­vierte Thera­peut­Innen. Aktuell ist dies deutsch­land­weit noch eine Selten­heit in ambu­lanten Praxen. Da auch unsere aka­demi­sierten Thera­peut­Innen inter­dis­zipli­när auf­ge­stellt sind, streben wir weitere Forsch­ungs­pro­jekte im Bereich der Physio­therapie, aber auch Logo­pädie und Heil­praktik an.

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Aktuelle Forschungsprojekte

Physiotherapeut führt Anamnese durch

DigiVID19

Primäres Ziel des Forsch­ungs­pro­jektes „DigiVID19“ ist die Ent­wick­lung einer immer­siven VR-An­wen­dung zur Atem­therapie und Stress­reduk­tion. Dies bezieht sich haupt­säch­lich auf Patient­Innen nach einer über­stan­denen SARS-CoV-19 Infek­tion, jedoch eign­en sich die inte­grier­ten Üb­un­gen auch für andere Lungen­krank­heiten wie COPD. Das vom Bundes­forsch­ungs­minis­terium (BMBF) geför­derte Pro­jekt soll eine kom­plexe VR-An­wen­dung zur Atem­therapie und Stress­reduktion her­vor­bringen, dessen Wirk­samkeit anhand einer Studie ge­testet wird.

Quellenangaben
  1. Wissenschaftsrat (2012): Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen. Unter: http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2411-12.pdf. Zugriff am: 09.03.2017
  2. Richter, R. (2016). Physiotherapie und Wissenschaft. Die wissenschaftliche Emanzipation der Physiotherapie im Spannungsfeld von Disziplinbildung und Professionalisierung. Publikationsserver der Universität Potsdam unter: URN urn:nbn:de:kobv:517-opus4-94704. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:517-opus4-94704
  3. O´Keeffe, M.; Cullinane, P.; Hurley, J.; Leahy, I.; Bunzli, S.; O´Sullivan, P.B.; O´Sullivan, K. (2016). What Influences Patient-Therapist Interactions in Musculoskeletal Physical Therapy? Qualitative Systematic Review and Meta-Synthesis. Phys Ther. 2016;96: 609-622. https://doi.org/10.2522/ptj.20150240
  4. Groll, Tina; Lutz, Carmen; Kunstreich, Siebo; Speicher, Stefanie; Zalpour, Christoff (2005): Physiotherapie: Auf dem Weg zur Professionalisierung, in Dtsch Arztebl 2005; 102: A 966–968 [Heft 14], abrufbar unter: https://www.aerzteblatt.de/archiv/46184/Physiotherapie-Auf-dem-Weg-zur-Professionalisierung, zuletzt geprüft am 24.08.2022
  5. Sackett, D.L.; Rosenberg, W.M.C.; Gray, J.A.M.; Haynes, R.B.; Richardson, W.S. (1996): Evidence based medicine: what it is and what it isn ́t. In: BMJ 1996; S. 71
  6. Beushausen, U.; Grötzbach, H. (2011): Evidenzbasierte Sprachtherapie, Grundlagen und Praxis. 1. Auflage. Elsevier GmbH. München. S. 5f
  7. Behrens, J.; Langer, G. (2010): Evidence-based Nursing and Caring, Methoden und Ethik der Pflegepraxis und Versorgungsforschung. 3. Auflage. Verlag Hans Huber. Bern. S. 77